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24 Oct, 2025
„Alles Andras“ – Bremen am Abend: Mal Dünnbierkacke, mal erquickend und labend

By Andras Ruppert
Bremen am Abend, erquickend und labend. Habe ich gute Erinnerungen dran. Anfang der 1990er. Geburtstagsparty eines lokalen Kumpels. 30 und Single. Da muss er, so wurde gesagt, solange an die Rathaustür klopfen, bis eine Jungfrau erscheint und ihn mit einem Kuss erlöst. Also auf ins Dunkel, kurz vor Mitternacht, Oktober, kalt und horizontaler Regen. Nach einer Stunde hoffnungslosen Wartens auf die Erlösung wäre für uns jede Frau eine Jungfrau gewesen. Leider kam keine, die sich als solche ansprechen lassen wollte. Ist doch klar, ein halbes Dutzend feuchtfröhlicher Männer im Rudel am Rathaus. Da macht jede, ob Jungfrau oder nicht, einen ganz großen Bogen.
Bis auf die eine, welche nach fast zwei Stunden gewerbsmäßig vorbeispazierte und sich, die Lage erkennend, als Jungfrau präsentierte. Gegen Bezahlung. Hat zugegeben nix mit Fußball zu tun. Ist aber zumindest eine Geschichte, die im Rückblick lustig war und zu meiner positiven Grundstimmung beiträgt, wenn ich an Werder und Bremen denke.
Ansonsten ist Bremen am Abend eher Dünnbierkacke. Wie jedes Freitagabendspiel. Im Bohemen in Oslo ist da Pubquiz. Das wird durch die Einheimischen noch ernsthafter betrieben als die Analyse des letzten verlorenen Vålerenga-Heimspiels. Das geht bis weit nach 20 Uhr, manchmal sogar bis nach 20.30 Uhr. Und wehe, da will jemand Fußball sehen. Dadurch fällt das Vorspiel-Pils aus und der Fan direkt ins Spiel. Ohne Vorbereitung ist das wie kalt von der Ersatzbank – mit hohem Risiko für Muskelfaserriss oder ernsthaftes Verschlucken, weil zu schnell zu viel Bier. Nicht schön. So wie Freitag blau machen zu müssen, um nach Bremen zu kommen. Zumindest hat man dann das Wochenende noch zur Erholung vor sich.
In Bremen gibt oder gab es diese Union-Kneipe nicht weit vom Stadion. Besser gesagt eine Fußball-Kneipe, die das Bier der Union-Brauerei Bremen ausschenkt. Muss man probieren – schmeckt lecker. Da sind wir im Februar 2020 versackt, wie so viele andere Unioner und Werderaner. Eine Auswärtsfahrt, die noch immer zu meinen Top 3 gehört, trotz aller Erlebnisse der letzten fünf Jahre.
Abfahrt mittags am Tag zuvor mit der Fähre aus Oslo nach Kiel. Ein Auto, vier nette Herren mittleren Alters. Zwei Norweger und zwei deutsche Migranten in Norwegen. Bamsegjengen-Vollausstattung an Auto und Leib. Die Raucherecke im Irish Pub als Lagerplatz. Mit Vollrausch ins Bett, um das Schnarchen der Nebenmänner nicht zu hören. Dann rein ins Auto, raus aus der Fähre und auf die Straße nach Süden, die Weser als Ziel. Inklusive Stau an der Umgehung der damaligen Hauptstadt der Zweitligisten, Hamburg.
Ankunft in Bremen, vier Unioner unter vielen. Zum ersten Mal nicht auf Nebenplatz 11 bei den juvenilen Amateuren, sondern in der großen Schüssel bei den Erwachsenen. Geil! Fast wären wir zu spät zum Stadion gekommen, da Peter an jeder Ecke und in jeder Kneipe auf dem Weg zum Stadion Freunde machte. Wie auch danach, nach dem unglaublichen 2:0-Auswärtssieg. Als ihm ein jugendlicher Bremen-Fan seinen Schal schenkte. Weil er „so freundlich gefragt hat“. Hätte ich als Teenager wohl auch gemacht, wenn sich ein Baum von Mann zu mir herunterbeugt, um mir ins Ohr zu flöten. Und dann ab in besagte Kneipe, welche zu später Stunde wilde Verbrüderungsszenen zeigte.
Hoffen wir, dass sich das am Freitag wiederholt. Das mit dem Auswärtssieg. Das mit den Verbrüderungsszenen nach dem Spiel in der kalten Bremer Nacht. Und dass das Pub-Quiz im Bohemen vor 20.30 Uhr beendet ist.
EISERN